Geschichte | Luthers Hochzeit
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Als der immerhin fast 42-jährige Martin Luther am 13. Juni 1525 Katharina von Bora heiratete, erhob sich vielerorts ein hämisches, empörtes oder zumindest besorgtes Geschrei. Selbst der Freund Philipp Melanchthon kritisierte die Eheschließung, zumal er der Meinung war, Katharina habe Luther umgarnt. Den letzten Anstoß gab wohl eine kleine, von Katharina und Luthers Freund Nikolaus von Amsdorf gesponnene Kabale. Als Katharina erfuhr, dass sie mit dem Universitätsrektor Kasper Glatz (ein Geizhals und offensichtlich unangenehmer Zeitgenosse) verheiratet werden sollte, äußerte sie Amsdorf gegenüber: Wenn sie schon heiraten müsse, dann entweder ihn oder den Doktor Luther. Das hinterbrachte Amsdorf seinem Freunde, wobei diesem der letzte Groschen zum Entschluss, um Katharinas Hand anzuhalten, gefallen sein dürfte.

Die Hochzeit verlief etwa folgendermaßen: Am Abend des 13. Juni 1525, nach 17:00 Uhr, fand im Kloster die Verlobung vor den Freunden und Mitarbeitern statt. Die eigentliche Trauung nahm Stadtpfarrer Bugenhagen vor. Am nächsten Morgen wurde im kleinen Kreise ein bescheidenes Festmahl gehalten. Der öffentliche Kirchgang fand nicht wie üblich bereits am Tage nach der Verlobung, sondern erst am 27. Juni statt. Dazu dürfte sich 10:00 Uhr der Hochzeitszug unter Glockengeläut und der Musik von Spielleuten vom Kloster durch die Collegienstraße zur Stadtkirche in Bewegung gesetzt haben. Danach begab man sich zur „Wirtschaft“, also der Hochzeitsfeier, wieder ins Kloster. Am Nachmittag wird im Rathaus die Zeremonie der Ehrentänze stattgefunden haben. Abends versammelte man sich nochmals zum Nachtessen im Kloster. Über die ersten Ehewochen der Luthers ist wenig bekannt. Jedenfalls pausierte der Doktor mit Vorlesungen, Predigten und seiner Korrespondenz. Später äußerte er sich warm über die „Küssenwochen“, wie er sie nannte. Ein allzu stürmischer Liebhaber jedoch dürfte er nicht gewesen sein. An Amsdorf schrieb er in dieser Zeit: „Ich brenne nicht, aber ich liebe die Gattin.“ Später rekapitulierte er die innere Umstellung. Nun säße er bei Tische nicht mehr allein und beim Erwachen sähe er ein Paar Zöpfe neben sich liegen.

Aus „Luthers Hochzeit“ von Volkmar Joestel mit freundlicher Genehmigung des Drei-Kastanien-Verlages

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